Reicht die Frühstart-Rente aus? Was Eltern über die staatliche Förderung wissen sollten
Wie viel kommt mit der Frühstartrente zusammen? Wir rechnen mehrere Szenarien durch und zeigen, was eine eigene Sparrate bewirkt.
Inhaltsverzeichnis
- Reicht die Frühstartrente aus? Was Eltern über die staatliche Förderung wissen sollten
- Was der Gesetzentwurf festlegt
- Frühstartrente Berechnung: Wie viel Geld kommt zusammen?
- Frühstartrente: Depotwert nur mit staatlicher Förderung
- Rechenszenarien: Was bringt es, die Frühstartrente aufzustocken?
- Frühstartrente + eigene Sparrate: Fünf Szenarien im Vergleich
- Warum der Zinseszinseffekt bei Kindern so mächtig ist
- Ein Rechenbeispiel
- Warum ein früher Start den Unterschied macht
- Und wenn mein Kind älter ist?
- Was die Frühstartrente für Eltern bedeutet
- Drei Tipps für Eltern, die heute schon vorsorgen wollen
- Was am Ende wirklich ankommt
- Fazit: Die Frühstartrente ist ein Startschuss, kein Zieleinlauf
Reicht die Frühstartrente aus? Was Eltern über die staatliche Förderung wissen sollten
Die Bundesregierung will mit der Frühstartrente jungen Menschen den Einstieg in die private Altersvorsorge erleichtern. 10 Euro pro Monat zahlt der Staat künftig in ein Depot, das auf den Namen des Kindes läuft, vom 6. bis zum 18. Lebensjahr. Los geht es mit dem Geburtsjahrgang 2020, danach kommt jedes Jahr der nächste Jahrgang dazu. Die Idee klingt gut. Aber reicht die Frühstartrente wirklich für eine sorgenfreie Zukunft?
Wir haben verschiedene Szenarien durchgerechnet und zeigen dir, wie viel Geld tatsächlich zusammenkommt – und was du als Elternteil tun kannst, damit aus dem staatlichen Zuschuss echte Altersvorsorge für dein Kind wird.
Was der Gesetzentwurf festlegt
Am 12. August 2026 hat das Bundeskabinett den Regierungsentwurf beschlossen. Bundestag und Bundesrat haben noch nicht entschieden. Die Punkte, die für deine Planung zählen:
- Nur Standarddepot-Verträge sind förderfähig. Das ist die einfache Basisvariante des Altersvorsorgedepots. Unser Kinderdepot ist ein reguläres Juniordepot, dort können die staatlichen 10 Euro nicht eingezahlt werden.
- Zuzahlen darf die ganze Familie, bis zu 6.840 Euro pro Kalenderjahr. Absetzen lassen sich diese Einzahlungen nicht.
- Ausgezahlt wird grundsätzlich nicht vor dem 65. Geburtstag. Vorher kommt niemand an das Geld, auch das Kind selbst nicht.
- Eröffnest du kein Depot, verfällt der Anspruch nicht. Die Beiträge gehen in eine kollektive Anlage der Deutschen Bundesbank und können später als Startkapital übertragen werden. Nach dem Regierungsentwurf ist das bis zum 35. Geburtstag möglich. Im ersten Entwurf lag diese Frist noch bei 25 Jahren.
- Anspruch hat jedes Kind mit erstem Wohnsitz in Deutschland. Ein Antrag ist nicht nötig. Die Prüfung und die Auszahlung übernimmt die Zulagenstelle bei der Deutschen Rentenversicherung, dieselbe Stelle, die schon die Riester-Zulagen abwickelt.
- Für den Jahrgang 2020 zahlt der Bund rückwirkend für 2026. Die Auszahlungen selbst starten 2027, dann kommt auch der Jahrgang 2021 dazu.
- Die Kosten sind gedeckelt. Beim Standarddepot dürfen die Effektivkosten in der Ansparphase 1 Prozent nicht übersteigen. Abschluss- und Vertriebskosten sind bis zur Volljährigkeit ausgeschlossen.
Mehr zu den Regeln findest du hier: Frühstartrente: Vorsorge für deine Kids
Frühstartrente Berechnung: Wie viel Geld kommt zusammen?
Schauen wir uns konkret an, was aus den 10 Euro pro Monat werden kann. Über 12 Jahre zahlt der Staat insgesamt 1.440 Euro ein. Danach hat das Geld bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren noch Jahrzehnte Zeit zu wachsen – und genau hier wird der Zinseszinseffekt spürbar.
Wir rechnen in den Tabellen bis zum 67. Geburtstag, weil das der aktuelle gesetzliche Renteneintritt ist. Auszahlen lassen könnte sich dein Kind das Geld nach dem Entwurf schon ab 65. Wie viel am Ende im Depot liegt, hängt von der durchschnittlichen jährlichen Rendite ab. Die folgende Tabelle zeigt verschiedene Szenarien:
Frühstartrente: Depotwert nur mit staatlicher Förderung
| Durchschnittliche Rendite p. a. |
Eingezahlt (Staat) |
Depotwert mit 18 |
Depotwert mit 67 |
|---|---|---|---|
| 4 % | 1.440 € | ~1.844 € | ~13.000 € |
| 5 % | 1.440 € | ~1.968 € | ~22.700 € |
| 6 % | 1.440 € | ~2.102 € | ~39.500 € |
| 7 % | 1.440 € | ~2.247 € | ~68.700 € |
Je nach Rendite könnten aus den 1.440 Euro Einzahlung zwischen 13.000 und fast 69.000 Euro werden. Das klingt erstmal nach viel. Für eine echte Altersvorsorge ist es aber zu wenig.
Ein konkretes Beispiel: Um sich eine monatliche Zusatzrente von 500 Euro zu finanzieren, bräuchte man ein Kapital von rund 150.000 Euro, gerechnet mit einer Entnahme von etwa 4 Prozent des Kapitals pro Jahr. Selbst im optimistischen Szenario mit 7 % Rendite bleibt die Frühstartrente allein deutlich darunter.
Das Fazit nach der Berechnung: Die Frühstartrente ist ein guter Anfang. Aber eben nur ein Anfang.
Übrigens: Wie viel Geld du bei Renteneintritt mit 67 wirklich brauchst, solltest du dir einmal ausrechenen: mithilfe deines Rentenbescheides kannst du deine Rentenlücke ermitteln.
Rechenszenarien: Was bringt es, die Frühstartrente aufzustocken?
Hier wird es richtig spannend. Denn der eigentliche Hebel liegt darin, was Eltern, Großeltern und Familie zusätzlich zur Frühstartrente beitragen.
Die folgende Tabelle zeigt, wie sich das Depot entwickeln kann, wenn neben der Frühstartrente (10 €/Monat vom 6. bis 18. Lebensjahr) ab Geburt zusätzlich ein eigener Sparplan für das Kind läuft. Nach dem 18. Lebensjahr wächst das gesamte Kapital ohne weitere Einzahlungen bis zum Renteneintritt mit 67 weiter.
Frühstartrente + eigene Sparrate: Fünf Szenarien im Vergleich
| Eigene Sparrate (ab Geburt bis 18) |
Gesamt eingezahlt | Depotwert mit 18 |
Depotwert mit 67 |
|---|---|---|---|
| 0 € (nur Frühstartrente) | 1.440 € | ~2.100 € | ~39.500 € |
| 25 €/Monat | 6.840 € | ~11.800 € | ~221.300 € |
| 50 €/Monat | 12.240 € | ~21.500 € | ~403.100 € |
| 100 €/Monat | 23.040 € | ~40.800 € | ~766.800 € |
| 200 €/Monat | 44.640 € | ~79.600 € | ~1.494.200 € |
Hinweis zu den Berechnungen: Die Werte in beiden Tabellen dienen ausschließlich der Veranschaulichung und sind keine Prognose oder Zusicherung künftiger Wertentwicklungen. Die erste Tabelle zeigt eine Spanne von 4 bis 7 % Rendite pro Jahr, die zweite Tabelle rechnet mit 6 % pro Jahr. Das sind Beispielwerte. Die tatsächliche Wertentwicklung kann höher oder niedriger ausfallen. Der Wert deiner Anlage kann auch fallen. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft.
Die Zahlen zeigen: Schon eine zusätzliche Sparrate von 25 Euro pro Monat macht einen enormen Unterschied. Das ist weniger als ein Euro am Tag. Aus knapp 6.840 Euro Einzahlung könnten über 221.000 Euro werden. Das wäre genug Kapital, um eine monatliche Zusatzrente von rund 730 Euro zu finanzieren, wieder gerechnet mit einer Entnahme von etwa 4 Prozent pro Jahr.
Wer 50 Euro monatlich für sein Kind zur Seite legt, gibt ihm die Chance auf ein Depot von über 400.000 Euro zum Renteneintritt. Das ist ein Startkapital, das echte finanzielle Freiheit ermöglicht, und das, obwohl insgesamt nur rund 12.240 Euro eingezahlt wurden.
Und bei 100 Euro monatlicher Sparrate? Da entsteht ein Depotwert von über 766.000 Euro. Der Zinseszinseffekt übernimmt hier den Großteil der Arbeit.
Warum der Zinseszinseffekt bei Kindern so mächtig ist
Was diese Szenarien so eindrucksvoll macht, ist nicht die Höhe der Sparrate – sondern die Zeit. Ein Kind, das bei Geburt ein Depot bekommt, hat bis zum Renteneintritt über 60 Jahre Anlagehorizont. In dieser Zeitspanne arbeitet der Zinseszinseffekt mit voller Kraft.
Ein Rechenbeispiel
Bei einer Sparrate von 50 Euro pro Monat werden insgesamt rund 12.240 Euro eingezahlt. Der Rest – über 390.000 Euro – entsteht allein durch die Wertentwicklung am Kapitalmarkt. Das Verhältnis von Einzahlung zu Ertrag liegt bei etwa 1:32.
Zum Vergleich: Wer erst mit 30 Jahren anfängt, 50 Euro monatlich zu sparen, kommt bei gleicher Rendite bis 67 auf rund 77.000 Euro. Der Unterschied zu einem Start ab Geburt? Über 325.000 Euro – nur, weil 12 Jahre Sparzeit und 18 Jahre Wachstumszeit fehlen.
Jedes Jahr, das du wartest, kostet bares Geld. Nicht heute – aber in der Zukunft deines Kindes.
Warum ein früher Start den Unterschied macht
Der Zinseszinseffekt bedeutet: Nicht nur das eingezahlte Geld erwirtschaftet Rendite, sondern auch die Rendite selbst. Je länger dieser Kreislauf läuft, desto stärker wird der Effekt. Bei einem Anlagehorizont von 60+ Jahren übernimmt der Markt den Großteil der Vermögensbildung.
Genau deshalb lohnt es sich, nicht erst auf die Frühstartrente zu warten – sondern schon jetzt mit einem Kinderdepot zu starten. Idealerweise schon ab der Geburt. Denn die sechs Jahre zwischen Geburt und Einschulung machen über die Jahrzehnte einen spürbaren Unterschied.
Und wenn mein Kind älter ist?
Los geht es mit den Geburtsjahrgängen 2020 und 2021, danach kommt jedes Jahr der Jahrgang der dann Sechsjährigen dazu. Für Kinder, die vor 2020 geboren sind, ist im Regierungsentwurf keine Förderung vorgesehen. Mehrere Branchenverbände fordern, alle 6- bis 18-Jährigen einzubeziehen. Ob sich daran im parlamentarischen Verfahren noch etwas ändert, ist offen.
Für dein Kind heißt das: Ein eigenes Depot kannst du unabhängig davon eröffnen. Die staatlichen 10 Euro kommen nur für die genannten Jahrgänge dazu.
Was die Frühstartrente für Eltern bedeutet
Die Frühstartrente ist ein richtiger und wichtiger Schritt der Bundesregierung. Sie macht Altersvorsorge für Kinder zum Thema und gibt Familien einen konkreten Anreiz, sich frühzeitig damit zu beschäftigen.
Aber 10 Euro im Monat allein werden die Rentenlücke deines Kindes nicht schließen. Sie sind ein Fundament – auf dem du aufbauen kannst. Und je früher du damit anfängst, desto weniger musst du monatlich aufwenden, um einen großen Effekt zu erzielen.
Drei Tipps für Eltern, die heute schon vorsorgen wollen
Fang früh an – nicht erst mit 6. Die Frühstartrente greift erst ab dem 6. Lebensjahr. Mit einem eigenen Kinderdepot oder einem Sparplan kannst du schon ab der Geburt loslegen. Diese sechs zusätzlichen Jahre machen über die Jahrzehnte einen enormen Unterschied im Endergebnis.
Fang klein an. Du musst nicht gleich 200 Euro im Monat sparen. Schon 25 oder 50 Euro monatlich reichen für ein beeindruckendes Ergebnis – solange du den Sparplan über viele Jahre durchhältst. Die Regelmäßigkeit zählt mehr als die Höhe.
Nutze die Steuerfreibeträge deines Kindes. Kinder haben eigene Freibeträge: den Sparerpauschbetrag (1.000 €), den Grundfreibetrag und den Sonderausgabenpauschbetrag. Insgesamt können jährlich Erträge von bis zu 13.384 Euro steuerfrei realisiert werden: 12.348 Euro Grundfreibetrag, 1.000 Euro Sparerpauschbetrag und 36 Euro Sonderausgabenpauschbetrag (Stand 2026). Das funktioniert aber nur, wenn das Geld in einem eigenen Kinderdepot liegt – nicht in einem Pocket im Elterndepot, wo die Erträge auf den eigenen Sparerpauschbetrag angerechnet werden.
Was am Ende wirklich ankommt
Ein Punkt, der in vielen Rechnungen fehlt: Die Auszahlung aus der Frühstartrente wird im Rentenalter voll versteuert. Die Erträge bleiben während der Ansparphase steuerfrei, dafür fällt beim Auszahlen Einkommensteuer an. Alle Werte in unseren Tabellen sind deshalb Bruttowerte.
Beim Kinderdepot läuft es anders. Dort nutzt dein Kind seine eigenen Freibeträge, und das Geld ist verfügbar, wenn es gebraucht wird, nicht erst mit 65. Beides hat seinen Platz. Die Frühstartrente ist auf das Alter festgelegt, das Kinderdepot bleibt flexibel.
Fazit: Die Frühstartrente ist ein Startschuss, kein Zieleinlauf
Die Frühstartrente setzt ein wichtiges Signal: Altersvorsorge beginnt am besten früh. Unsere Berechnung zeigt aber klar, dass 10 Euro im Monat vom Staat allein nicht ausreichen, um die Rentenlücke deines Kindes zu schließen.
Die gute Nachricht: Schon kleine eigene Beiträge machen über Jahrzehnte einen riesigen Unterschied. 25 Euro im Monat zusätzlich können aus 6.840 Euro Einzahlung über 221.000 Euro machen. 50 Euro monatlich bringen es auf über 400.000 Euro. Der Zinseszinseffekt ist dabei der stärkste Verbündete. Aber nur, wenn du ihm genug Zeit gibst.
Warte nicht auf die Frühstartrente. Mit einem Kinderdepot kannst du sofort anfangen, und du bleibst flexibel: Das Geld ist verfügbar, wenn es gebraucht wird. Und die Frühstartrente selbst? Wir arbeiten daran, sie dir bei Evergreen anzubieten. Sobald es Neuigkeiten gibt, erfährst du es zuerst über unseren Altersvorsorge-Newsletter. Um das Fondsmanagement, die nachhaltige Anlage und die Steuerautomatisierung kümmern wir uns.
Hinweis zur Frühstartrente: Die genannten Eckpunkte basieren auf dem Regierungsentwurf des Frühstartrentengesetzes, den das Bundeskabinett am 12. August 2026 beschlossen hat. Bundestag und Bundesrat haben noch nicht entschieden. Das Gesetz soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten, Details können sich im parlamentarischen Verfahren noch ändern. Stand: August 2026.
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.
